Stress: Warum wir so verschieden reagieren
Im Osterei: Warum Stress manche Menschen offenbar viel stärker belastet als andere, selbst wenn sie ähnliche Aufgaben haben...
Datum: 1. April 2026
Kategorien: Personality, Personality Assessments, metaArticle
Unser Artikel im diesjährigen Osterei stützt sich auf die Forschungsergebnisse von Hogan Assessments zum Thema Persönlichkeit und darauf, wie die Hogan-Tools Aufschluss darüber geben können, warum manche Menschen mehr Stress empfinden als andere.
Die wichtigste Erkenntnis? Menschen, die nach außen hin ausgeglichen und anpassungsfähig wirken, können innerlich dennoch erschöpft sein. Schauen wir uns diese Ergebnisse einmal genauer an.
Wir alle wissen, dass Arbeit stressig sein kann. Das ist nichts Neues. Termine häufen sich, Prioritäten kollidieren, Feedback tut weh. Diese Studie untersucht etwas Subtileres – und für Organisationen Wichtigeres: Warum Stress manche Menschen weitaus stärker zu belasten scheint als andere, selbst wenn sie ähnliche Rollen innehaben.
Die Antwort hat, wie sich herausstellt, viel mit der „dunklen Seite“ der Persönlichkeit zu tun – den Aspekten unserer Persönlichkeit, die unter Druck, bei Erschöpfung oder Frustration zum Vorschein kommen.
Die Studie von Hogan Assessments untersucht, wie diese Tendenzen der „dunklen Seite“ nicht nur mit dem Verhalten am Arbeitsplatz, sondern auch mit Gesundheit, Energie und emotionalem Wohlbefinden zusammenhängen.
Was die Forscher herausfinden wollten
Ausgangspunkt war eine einfache Beobachtung: Menschen reagieren nicht alle gleich auf Stress.
Manche werden angespannt und ziehen sich zurück. Manche werden zynisch. Manche brennen still und leise aus. Andere wiederum scheinen interessanterweise neue Energie zu tanken – auch wenn die Zusammenarbeit mit ihnen nicht immer einfach ist.
Die Forscher fragten:
- Welche negativen Persönlichkeitsmerkmale stehen mit Erschöpfung und einem schlechteren Wohlbefinden in Verbindung?
- Welche nicht?
- Und lässt sich dieser Zusammenhang durch Stress am Arbeitsplatz erklären?
Wen und was haben sie untersucht?
Rund 285 berufstätige Erwachsene füllten folgende Fragebögen aus:
- die Hogan Development Survey (HDS) zur Erfassung negativer Persönlichkeitsmerkmale
- einen etablierten Fragebogen zu Gesundheit und Wohlbefinden
- einen Fragebogen zur Messung von arbeitsbedingtem Stress
Die Skalen, die am stärksten mit Müdigkeit und schlechtem Wohlbefinden in Verbindung stehen
Fünf Hogan-Derailer stachen dabei durchweg hervor:
Sprunghaft
Emotional intensiv, reaktionsschnell, schnell frustriert.
Personen, die in der Kategorie „Sprunghaft“ höhere Werte aufwiesen, berichteten über:
- Deutlich stärkere Müdigkeit
- Geringeres emotionales Wohlbefinden
- Geringere soziale Funktionsfähigkeit
- Schlechterer allgemeiner Gesundheitszustand
Vorsichtig
Zögerlich im Handeln, Angst vor Fehlern, empfindlich gegenüber Kritik.
Dies war einer der stärksten Prädiktoren für:
- Erschöpfung
- Schlechtes emotionales Wohlbefinden
- Geringere allgemeine Gesundheit
Unter Druck ständig in der Haltung „Das darf ich bloß nicht vermasseln“ zu leben, kann sehr anstrengend sein.
Skeptisch
Misstrauisch, zynisch, stets auf der Suche nach versteckten Motiven.
Höhere Werte bei der Skala „Skeptisch“ standen in Zusammenhang mit:
- Geringerem emotionalen Wohlbefinden
- Eingeschränkterer sozialer Funktionsfähigkeit
- Stärkerer Erschöpfung
Wenn man ständig auf der Hut ist, kostet die Arbeit mehr Energie, als sie zurückgibt.
Distanziert
Zurückhaltend, emotional distanziert, von anderen abgekoppelt.
Distanzierte Personen gaben tendenziell Folgendes an:
- Geringere soziale Funktionsfähigkeit
- Geringeres emotionales Wohlbefinden
- Stärkere Müdigkeit
Passiver Widerstand
Äußerlich unabhängig, innerlich still vor sich hin ärgernd.
Passiver Widerstand wurde mit Folgendem in Verbindung gebracht:
- Stärkere Müdigkeit
- Geringeres emotionales Wohlbefinden
- Schlechterer allgemeiner Gesundheitszustand
Aber wissen Sie was? Einige „dunkle“ Eigenschaften (Derailer) wirken geradezu belebend!
Anmaßend und Buntschillernd – Eigenschaften, die oft mit übermäßigem Selbstbewusstsein und dem Streben nach Aufmerksamkeit in Verbindung gebracht werden – zeigten:
- Geringere Müdigkeit
- Ein höheres Energieempfinden
- Bessere Einschätzungen der allgemeinen Gesundheit
Das bedeutet nicht, dass diese Eigenschaften für Teams immer gut sind – aber es bedeutet, dass Selbstbewusstsein und das Streben nach Aufmerksamkeit Menschen davor bewahren können, sich ausgelaugt zu fühlen, zumindest emotional.
Dimensionen, die für die Gesundheit offenbar keine große Rolle spielten
Zwei Faktoren zeigten kaum einen Zusammenhang mit gesundheitlichen Ergebnissen:
- Pedantisch (perfektionistisch, regelorientiert)
- Dienstbeflissen (ums Gefallen bemüht, autoritätsorientiert)
Diese Eigenschaften können zwar andere Herausforderungen mit sich bringen, waren in dieser Studie jedoch kein starker Prädiktor für Erschöpfung oder Wohlbefinden.
Die wichtigsten Erkenntnisse?
1. Bei Burnout geht es nicht nur um die Arbeitsbelastung
Zwei Menschen können denselben Job haben und ganz unterschiedliche Erfahrungen machen. Die Persönlichkeit entscheidet darüber, ob Stress zum Antrieb wird – oder zur Erschöpfung führt.
2. Stille Erschöpfung ist leicht zu übersehen
Die größten Gesundheitsrisiken hingen nicht mit lautem oder dramatischem Verhalten zusammen. Sie hingen zusammen mit:
- Rückzug
- Zynismus
- Zögern
- Stillem Groll
3. Entwicklung ist eine Gesundheitsstrategie
Menschen dabei zu helfen, ein Selbstbewusstsein für ihre Stolpersteine zu entwickeln, dient nicht nur der Leistungssteigerung. Es geht um:
- Energie
- Engagement
- Nachhaltigkeit
4. Auch „Leistungsträger“ zahlen möglicherweise einen Preis
Menschen, die beständig und anpassungsfähig wirken, können innerlich dennoch erschöpft sein. Ohne dieses Bewusstsein zeigt sich dieser Preis später – in Form von Desinteresse, gesundheitlichen Problemen oder Fluktuation.
Referenzen
Ferrell, B., & Gaddis, B. (2017, April). Examining the relationship between dark side personality characteristics, health, and workplace stress. Paper presented as part of a symposium at the Society for Industrial and Organizational Psychology Annual Conference, Orlando, FL.