Female Leadership: Kulturwandel statt Quote

Melissa Di Donato, eine der fĂŒhrenden Top-Managerinnen und Chefin des weltweit grĂ¶ĂŸten Open-Source-Softwareunternehmens Suse, sagte zur Frauenquote: „Ich glaube grundsĂ€tzlich nicht an Quoten, weil sich in der Konsequenz jeder Mann fragen wird, ob ich meine Position aufgrund einer Quote erlangt habe. Sie wĂŒrden meine Kompetenzen, meine Person und meine FĂ€higkeiten in Frage stellen, nur weil ich eine Frau in einem Quotensystem bin.“

Datum: 8. April 2024

Author: Nicole Neubauer

Kategorien: Female Leadership, Leadership, Insights, metaArticle

Nicole Neubauer Metaberatung 1

Frauenquote. Wie stehen Sie dazu?

Ich kann Di Donato nur zustimmen – schließlich versteckt sich dahinter das Credo, das wir bei metaBeratung bereits seit 2005 leben: die Persönlichkeit zĂ€hlt. Und die muss zur Anforderung der Stelle passen – unabhĂ€ngig vom Geschlecht. Heute – mehr als noch 2005 – vertrauen viele unserer Kunden auf unsere Auswahlberatung: eine Beratungsbegleitung, in der wir die Unternehmensentscheider und HR-Entscheider darin unterstĂŒtzen, die Anforderungen der Stelle in Bezug zu setzen zur Persönlichkeit des Kandidaten.

  1. Welche Kompetenzen sind gefordert – wie sollten diese ‚gewichtet‘ sein?
  2. Gibt es ein Stellenprofil, eine Funktionsbeschreibung zur Stelle?
  3. Gibt es ein Karrieremodell im Unternehmen – in der die Rollen klar ‚verortet‘ sind und es klare Kompetenzanforderungen gibt?

Nach Sichtung der Unterlagen und in enger Absprache mit dem Kunden, erstellen wir dann ein Kompetenzprofil, was wir spĂ€ter zu den Ergebnissen der Hogan Persönlichkeitstests vergleichen und damit eine Empfehlung abgeben können, ob der Bewerber zur Stelle passt. Die Assessment Ergebnisse eignen sich darĂŒber hinaus zur Begleitung des Onboardings – die ersten 100 Tage – und zur Definition konkreter Ziele fĂŒr die Probezeit, die gleichwohl von HR und Vorgesetzten nachgehalten werden können. Das ist Auswahl, wie sie sein sollte: fair und objektiv.

 

Female leadership ohne Quote – geht das auch?

Ich komme noch einmal zurĂŒck auf die Quote: fĂŒr mehr Frauen in FĂŒhrungspositionen war sie zunĂ€chst einmal wichtig. Neueste Studien zeigen allerdings, dass Frauen durchschnittlich nur 2 Jahre auf der FĂŒhrungsposition bleiben, bevor sie wieder gehen. Das kann zum einen einen Hinweis darauf geben, dass tatsĂ€chlich ‚nur‘ aufgrund der Quote besetzt wurde, aber die Persönlichkeit nicht zur Stelle passt – oder aber, dass die Stelle von vornherein ein ‚Schleudersitz‘ war.

Studien zeigen, dass Frauen hĂ€ufig bescheidener auftreten als MĂ€nner und sich im Kampf um die FĂŒhrung nicht zwingend direkt in die erste Reihe stellen. Aktuelle Studien zeigen:

  • Auch heute ist nur rund jede dritte europĂ€ische FĂŒhrungskraft weiblich (in Luxemburg sogar nur jede fĂŒnfte)[1]
  • Frauen mit vergleichbaren Qualifikationen, TĂ€tigkeiten und LebenslĂ€ufen verdienen immer noch 7% weniger als ihre mĂ€nnlichen Kollegen[2]
  • Frauen wenden ĂŒber 50% mehr fĂŒr Care-Arbeit auf als MĂ€nner[3]

Gut so, dass der Ruf nach Maßnahmen deshalb nicht leiser wird. So hat die EU erst im November eine Frauenquote fĂŒr AufsichtsrĂ€te besiegelt. Bis Ende 2026 sollen in den AufsichtsrĂ€ten von börsennotierten Unternehmen 40% Frauen sein. Das ist eine großartige Chance und erklĂ€rt die vielen ‚Women for the Board‘ Programme, die seit letztem Jahr als Leadership Programme angeboten werden.

Was können Frauen also tun, die ‚sichtbarer‘ werden möchten und eine FĂŒhrungsposition anstreben?

  • Selbstvertrauen stĂ€rken:Glauben Sie an sich selbst und Ihre FĂ€higkeiten. Selbstvertrauen ist eine wichtige Eigenschaft fĂŒr FĂŒhrungskrĂ€fte, unabhĂ€ngig vom Geschlecht.
  • Netzwerken:Bauen Sie ein starkes berufliches Netzwerk auf, das Ihnen UnterstĂŒtzung, Ressourcen und Mentoring bietet. Networking kann Ihnen helfen, berufliche Chancen zu identifizieren und Ihre Karriere voranzutreiben.
  • Weiterbildung und Entwicklung:Investieren Sie in Ihre berufliche Entwicklung durch Weiterbildungs- und Entwicklungsprogramme. Halten Sie sich ĂŒber branchenspezifische Trends und Best Practices auf dem Laufenden.
  • Sich selbst fördern:Seien Sie proaktiv bei der Suche nach Möglichkeiten fĂŒr berufliches Wachstum und Beförderungen. Scheuen Sie sich nicht davor, fĂŒr sich selbst einzutreten und Ihre Leistungen anzuerkennen.
  • Mentorship:Suchen Sie sich Mentoren sowohl innerhalb als auch außerhalb Ihres Unternehmens. Mentoren können Ihnen wertvolle RatschlĂ€ge, UnterstĂŒtzung und Orientierung bieten, um Ihre beruflichen Ziele zu erreichen.
  • Sich gegen Vorurteile stellen:Seien Sie sich der Geschlechterstereotype bewusst, die in der Arbeitswelt existieren, und setzen Sie sich aktiv fĂŒr Gleichberechtigung und Chancengleichheit ein. Lassen Sie sich nicht von Vorurteilen oder Barrieren davon abhalten, Ihre Ziele zu verfolgen.
  • Sich fĂŒr andere Frauen einsetzen:UnterstĂŒtzen Sie andere Frauen in ihrem beruflichen Werdegang, sei es durch Mentoring, Coaching oder Networking. Zusammenarbeit und SolidaritĂ€t unter Frauen können dazu beitragen, eine unterstĂŒtzende und inklusive Arbeitsumgebung zu schaffen.
  • Work-Life-Balance pflegen:Achten Sie darauf, eine gesunde Balance zwischen Beruf und Privatleben zu finden. SelbstfĂŒrsorge ist wichtig, um langfristig erfolgreich zu sein und berufliche Herausforderungen zu bewĂ€ltigen.

Dass Hogan Persönlickeitsverfahren hier einen wichtigen Beitrag leisten können, als ‚Standortbestimmung‘ zu Beginn, steht außer Frage. So setzt die HSG im ‚Aiming higher Programm‘, dass sich an weibliche NachwuchsfĂŒhrungskrĂ€fte richtet, seit 2019 Hogan im Programm ein. Es macht uns stolz, hier einen wichtigen Beitrag zu leisten und als Partner den weiblichen FĂŒhrungsnachwuchs zu stĂ€rken.

 

1 https://www.destatis.de/Europa/DE/Thema/Bevoelkerung-Arbeit-Soziales/Arbeitsmarkt/Qualitaet-der-Arbeit/_dimension-1/08_frauen-fuehrungspositionen.html

2 https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2023/01/PD23_036_621.html

3 https://www.aok.de/pk/magazin/familie/eltern/gender-care-gap-sorgearbeit-gerecht-aufteilen/

Mehr Infos zum Thema:

Melissa Di Donato, die seit mehr als 20 Jahren als eine der fĂŒhrenden Top-Managerinnen gilt, ist Protagonistin in der sehenswerten Dokumentationsreihe „naked“ des Kultursenders arte. In der Folge „Sex und Macht“ zeigen die Macher welche Rolle das Patriarchat noch immer in Familien und der beruflichen Welt spielt: https://www.arte.tv/de/videos/091183-004-A/naked/

Ihre eigene Stiftung „Inner Wings“ unterstĂŒtzt vor allem MĂ€dchen zwischen 6 und 12 Jahren dabei, Selbstbewusstsein aufzubauen, um die Gleichstellung der Geschlechter in FĂŒhrungspositionen zu erreichen: https://innerwings.org

Das Zukunftsinstitut ist ein einflussreicher Think Tank der europĂ€ischen Trend- und Zukunftsforschung. Es sieht „Female Shift“ als einen der großen Megatrends und dass MĂ€nner in den Kampf um Gleichberechtigung mit einsteigen: https://www.zukunftsinstitut.de/artikel/warum-maenner-zentrale-treiber-des-feminismus-werden

Nur wenige Monate alt ist die bereits oben zitierte VĂ€terstudie von Prognos: „Wie vĂ€terfreundlich ist die deutsche Wirtschaft?“ zeigt, dass VĂ€terfreundlichkeit die ZukunftsfĂ€higkeit der Unternehmen sichert: https://www.prognos.com/sites/default/files/2022-12/BMFSFJ_Vaeterstudie_20221129_1600.pdf