Gossip am Arbeitsplatz: hilfreich oder gefährlich?
Wir alle kennen die zerstörerische Kraft von Klatsch und Tratsch am Arbeitsplatz - aber er kann auch konstruktiv sein und die Gesundheit einer Organisation offenlegen. Finden Sie heraus, wie.
Datum: 14. April 2026
Kategorien: Personality, Personality Assessments, Insights, metaArticle
Die Vor- und Nachteile von Gossip am Arbeitsplatz
Gossip am Arbeitsplatz haben ein Imageproblem. Die meisten betrachten es als störend, unproduktiv oder sogar schädlich für die Unternehmenskultur. Doch Gossip über soziale Netzwerke kann einen wichtigen organisatorischen Zweck erfüllen. Führungskräfte sollten verstehen, dass solche Gespräche sowohl nützlich als auch schädlich sein können – je nachdem, wie sie genutzt und gesteuert werden.
Kürzlich sprachen die Co-Moderatoren Ryne Sherman, PhD, und Blake Loupp in dem Podcast „The Science of Personality“ mit Allison Howell, CEO bei Hogan Assessments über die Vor- und Nachteile von Gossip am Arbeitsplatz.
Lesen Sie weiter, um Einblicke in die verschiedenen Arten von Gossip am Arbeitsplatz, den Zusammenhang zwischen Persönlichkeit und solchen Gesprächen sowie passende Führungsstrategien zu erhalten.
Warum Mitarbeitende am Arbeitsplatz „gossipen“
„Gossip fungiert als Kommunikationskanal und verbreitet sich oft über soziale Netzwerke“, sagt Allison. Obwohl wir oft annehmen, dass dabei Gerüchte oder falsche Informationen verbreitet werden, muss das nicht der Fall sein. „Es geht vielmehr darum, auf inoffizielle Weise Informationen weiterzugeben“, erklärt sie.
Gossip erfüllt einen wichtigen Zweck: Sie helfen Menschen, das Geschehen in ihrem Umfeld einzuordnen. Da sie sich häufig um Personen und Beziehungen drehen, liefern sie wichtige Hinweise zum Verständnis von Unternehmenskultur und internen Macht Strukturen.
Man denke etwa an den Onboarding-Prozess: Nach den formalen Schritten wie Papierkram und Vorstellungsrunden beginnt der informelle Austausch im Team – und genau dann erhält man oft die wirklich relevanten Informationen. Wie arbeitet dieser Vorgesetzte? Wer versteht sich gut, wer nicht? Welchen Ruf hat die Abteilung? Im Vergleich zu offiziellen Unterlagen können solche inoffiziellen Informationen für neue Mitarbeitende äußerst wertvoll sein.
Häufige Mythen über Gossip
Trotz dieser Vorteile halten sich einige Mythen. Erstens, gelten solche Gespräche oft als unzuverlässig, da sich Informationen beim Weitergeben verändern können. Zudem werden sie manchmal gezielt genutzt, um den Ruf anderer zu schädigen. Darüber hinaus werden sie häufig als unmoralisch angesehen oder mit bestimmten Geschlechterstereotypen verbunden.
Historisch gesehen spielte Gossip eine wichtige Rolle in sozialen Macht Strukturen.
„Menschen in Machtpositionen stellen sie oft als moralisch fragwürdig dar“, so Howell. „Sie sind eine Form von Kommunikation außerhalb offizieller Kanäle, die man kontrollieren oder diskreditieren möchte.“ Dadurch stellen sie bestehende Hierarchien infrage.
Auch das Geschlechterstereotyp ist ein Mythos. Gossip wurde lange als „typisch weibliches Gerede“ abgetan. Dabei hatten sie oft eine Schutzfunktion: Frauen nutzten sie historisch, um sich über Risiken auszutauschen, die sie nicht offen ansprechen konnten. In Zeiten von Hexenverfolgung etwa dienten solche Gespräche dazu, Informationen Außerhalb offizieller Macht Strukturen zu verbreiten.
Vorteile von Gossip
Diese Mythen verdecken den tatsächlichen Nutzen. Vertrauen ist entscheidend für die Glaubwürdigkeit solcher Informationen. In einer Welt voller Desinformation – durch Politik, Medienmisstrauen oder auch KI – fällt es vielen schwer, verlässliche Informationen zu erkennen. Deshalb orientieren sich Menschen zunehmend an vertrauenswürdigen Personen in ihrem sozialen Umfeld.
Gossip zeigt, welchen Quellen man vertrauen kann. Howell berichtet von einer Studie in Wisconsin: Eine Behörde wollte Bootsfahrer dazu bringen, ihre Boote zu reinigen, um invasive Arten zu verhindern. Doch der Behörde wurde misstraut. Stattdessen vertrauten die Menschen lokalen Händlern – deren Empfehlungen waren deutlich wirksamer.
Am Arbeitsplatz können solche Gespräche außerdem Zugehörigkeit signalisieren, Beziehungen stärken und den Aufbau von Vertrauen beschleunigen – insbesondere, wenn jemand als hilfreiche Informationsquelle wahrgenommen wird.
Persönlichkeitsmerkmal und Gossip
„Gossip wird es immer geben“, sagt Howell. Die Gründe dafür hängen oft mit Persönlichkeitseigenschaften zusammen. Laut sozioanalytischer Theorie werden Menschen von drei Motiven geleitet: vorankommen (Wettbewerb), dazugehören (Kooperation) und Sinn finden (Stabilität). Diese Motive können sowohl konstruktive als auch destruktive Gespräche antreiben.
Jeder beteiligt sich irgendwann daran. Extravertierte Menschen nutzen sie vielleicht, um Beziehungen aufzubauen. Ehrgeizige Personen suchen Aufmerksamkeit. Empathische Menschen möchten sich oder andere schützen. Gleichzeitig können solche Gespräche auch Vertrauen untergraben oder dem eigenen Status dienen.
Wie Führungskräfte damit umgehen sollten
Da Gossip unvermeidlich ist, sollten Führungskräfte zwischen konstruktiven und schädlichen Formen unterscheiden. Das erfordert Zuhören, Kontextverständnis und den Aufbau von Vertrauen. Wer die positiven Effekte nutzen will, sollte Feedback fördern, offen sein und angemessen reagieren – nicht strafend.
Solche Gespräche liefern wichtige Hinweise auf den Zustand einer Organisation. Wenn sie überhandnehmen und das Arbeitsklima belasten, ist das ein Zeichen für Probleme in der internen Kommunikation. Gut funktionierende Organisationen sorgen dafür, dass Mitarbeitende wichtige Informationen auch ohne Umwege erhalten.
Versuche, Gossip zu unterdrücken, wirken meist kontraproduktiv. Stattdessen sollte ein Umfeld geschaffen werden, in dem Mitarbeitenden offen sprechen können und sich psychologisch sicher fühlen– sei es im Gespräch mit Führungskräften oder der Personalabteilung.